Tips zur Vorbereitung von Wüstentouren

exclamation Vorsicht:
Die Inhalte dieser Webseite stellen ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen dar und sollten lediglich als Tips angesehen werden. Dies ist keine Step-by-Step Anleitung für die Organisation von Wüstentouren. Der Leser sollte definitiv selbst wissen was er macht bzw. was er vorhat. Keine der folgenden Informationen erhebt den Anspruch auf Richtigkeit bzw. Vollständigkeit!

Die erste Reaktion von Leuten, denen ich ab und an eine Kurzgeschichte von meinen Wüstentouren erzähle, fällt häufig so aus: "Super Bilder! Beim nächsten Mal bin ich dabei ... klingt ja fantastisch! Das möchte ich auch mal erleben!". Letztendlich wagt aber nur ein sehr geringer Anteil es wirklich, eine Wüstentour selbst zu planen und durchzuziehen.

Wer keinerlei Erfahrung mit der Wüste hat und selbst beispielsweise noch nie richtig in einer Wüste war, dem empfehle ich sich zunächst an erfahrenere Leute mit der entsprechenden Kenntnis zu halten. Ob diese einen dann mitnehmen ist wieder eine andere Frage. Ich lehne es bisher kategorisch ab, Leute mitzunehmen, die ich nicht kenne und selbst nicht einschätzen kann. Das Verhalten von Personen in der zivilisierten Welt ist meist komplett anders wie in Gegenden wo es an die Substanz des Körpers und des Geistes geht. Die Wüste ist definitiv so eine Gegend.
Eine weitere Alternative ist es, sich für viel Geld das Wüstenerlebnis einzukaufen. Dies ist in gewissen Situationen sicherlich angebrachter, als eine Tour selbst zu planen. Die dann gewonnenenen Erlebnisse und Erfahrungen stehen allerdings in keinem Vergleich zu denen einer richtigen, selbstständigen Tour. Die Planung fängt also genau bei der Diskussion der Fragestellung "alleine oder organisiert" an.

Die nächsten Fragen, die man sich stellen sollte wenn man sich für eine selbstorganisierte Tour entscheidet, wären: Habe ich die richtige Motivation das durchzuziehen? Verfüge ich über einen ausreichenden Erfahrungsschatz von Trekkingtouren in anderen, am besten europäischen, Gebieten? Kenne ich mich und meinen Körper und Geist so gut, dass ich mir das zutraue?

Ich habe nicht direkt mit dem Wüstentrekking angefangen sondern habe mir davor ausreichend Erfahrungen auf Trekkingtouren in europäischen Gebieten erarbeitet. Dadurch lernte ich mich selbst in Bezug auf körperliche Leistungsfähigkeit und Psyche einzuschätzen. Allerdings schützt dies nicht vor Fehlern - sondern hilft lediglich die Anzahl an Fehlern zu minimieren. Diese Erfahrung habe auch ich schmerzlich machen müssen. Wüstentouren stehen in keinem Vergleich zu normalen Touren beispielsweise in Europa.

Denn die Wüste belastet vor allem Europäer ungemein auf die verschiedensten Arten - körperlich wie geistig. Wir sind es nicht gewohnt in Gegenden zu sein, wo zunächst eine vollkommene Leere zu sein scheint. Hinzu kommen die körperlichen Anstrengungen durch Hitze, Sand und der ständigen Problematik durch Dehydration. Abgesehen davon wirkt die Wüste auf uns zunächst als Bedrohung. Es existiert dort ein Lebensraum, für den wir uns als nicht geschaffen ansehen. Diese Angst besitzt aber absolut ihre Daseinsberechtigung und sollte eigentlich immer unser Begleiter sein, denn sie könnte es sein, die uns nacher vor dem eigentlichen Unglück bewahrt.

Abschließend möchte ich allerdings noch eins loswerden:
Wüstentouren können prinzipiell von jedem Menschen absolviert werden. Wer bereits ausgedehnte Trekkingtouren in Europa erfolgreich gemeistert hat, der kann auch alleinige Touren in die Wüste planen! Wüstenläufer sind keine Übermenschen oder Extremsportler per Definition. Sicherlich sollte man nicht gleich mit den mehrwöchigen Touren starten, sondern vielleicht erstmal mit einer 2-tägigen Tour ein wenig Vorschnuppern. Allerdings sind Wüstentouren kein Zauberstück!
Ich möchte hiermit also Menschen dazu motivieren, sich diese faszinierenden Gegenden auf unserem Planeten anzusehen und nicht kategorisch davon Abstand zu halten. Wer dies tut, wird definitiv etwas verpassen!

Im Folgenden gebe ich ein paar Hinweise und Tips, die man bei der Planung und Vorbereitung von Wüstentouren beachten sollte/könnte. Die Informationen sollten aber nicht als gegeben betrachtet werden, sondern vielmehr als Denkanstoß dienen.

  1. Politische Situation im Ziel-Land
  2. Was ist die geeignete Region?
  3. Kartenmaterial und Navigation
  4. Kostenberechnung
  5. Die Notfall-Ansprechsperson
  6. Nützliche Links

Politische Situation im Ziel-Land

Eine Tatsache sollte man zu Beginn der Planung beachten: Es ist leider so, dass viele Wüstengebiete auf unserem Planeten in politisch instabilen Regionen liegen. Dies sollte die Wahl des Ziel-Landes definitiv beeinflussen. Deshalb sollte zunächst die allgemeine politische Situation im jeweiligen Land überprüft werden. In Kriegsregionen haben wir in der Regel nichts zu suchen. Allerdings muss in diesem Punkt sauber differenziert werden, denn oftmals wird man hier von inkompetenten Quellen beeinflusst. Diese Quellen bringen dann Argumente wie: "Geh da nicht hin, da herrscht doch Krieg! Die werden Dich dort auf jeden Fall töten." Komischerweise lebe ich noch. Das Problem hierbei ist, dass viele Menschen diese angeblichen Kriegsregionen lediglich aus den Nachrichten kennen. Man sollte mit diesen Menschen nicht diskutieren, sondern sich eher auf die Fakten berufen.

Auf der Suche nach Fakten sollte man sich zunächst auf den Webseiten des Auswärtigen Amtes (AA) umsehen. Allerdings ist auch hier zu beachten: Das AA muss und sollte vor allen bestehenden Gefahren für potentielle Reisende warnen. Ob diese dann auch in der spezifischen Region vorherrschen ist wieder eine andere Frage. Beispielsweise ist die Liste der Sicherheitswarnungen für die USA derzeit größer als die für Syrien. Welches Land schätzen wir spontan als sicherer ein?

Um sich ein Bild der lokalen Lage zu machen, kann es helfen, in Kontakt mit locals zu treten. Die Plattform Couchsurfing.org kann hier eventuell hilfreich sein. Für weitere Informationen kann es auch nicht schaden, die eigene Botschaft im Ziel-Land zu kontaktieren. Man sollte wie bereits erwähnt jedoch immer im Hinterkopf behalten: Man erhält dort die offizielle Version und das ist auch gut so. Das ist die Pflicht der Botschaft und des AA. Wie man diese allerdings interpretiert ist eine andere Frage.

Was ist die geeignete Region?

Die spontane Antwort auf diese Frage hängt davon ab, was man plant zu tun. Ich persönlich kann nur Erfahrungen von Wüstentouren mit dem Sulky geben. Wer ohne Sulky losziehen möchte, ist bei mir an der falschen Adresse bzw. sollte die Diskussion um die Wasserfrage erneut aufwerfen.

Wüstentouren mit dem Sulky sind primär von der Region abhängig. Denn das Sulky benötigt steinigen, festen Untergrund. Alles andere ist nicht praktikabel. Diese Gebiete nennt man Hamada und kommen sehr häufig auf unserem Planeten vor. Die folgende Abbildung wurde in der östlichen Wüste Jordaniens aufgenommen und zeigt das Beispiel einer Hamada - große Teile der Wüsten im Mittleren Osten sind sogenannte Hamadas bzw. ähneln einer Hamada.

Es ist also offensichtlich, dass beispielsweise die inneren Teile der Sahara nicht für eine Wüstentour mit dem Sulky geeignet sind.
Der Erfolg einer Wüstentour mit dem Sulky steht und fällt mit dem Untergrund. Macht man bereits in der Planung Fehler in Hinsicht auf den Untergrund, kann man die Tour wahrscheinlich direkt am ersten Tag abbrechen. In kleinen Teilabschnitten der Tour durch die Weisse Wüste hatten wir sandigen Untergrund und ich kann nur sagen: Es war die Hölle! Man kommt so gut wie nicht voran bzw. verbraucht das zig-fache der eigentlichen Ressourcen an Energie und Wasser. Auch kleine Ansteigungen sind für den Zieher des Sulkys mit enormen körperlichen Anstrengungen geprägt. Es gilt, diese also zu vermeiden.

Abschließend noch ein positiver Punkt für alle Wüstenläufer mit Sulkys: Rund 70% der Wüsten weltweit ähneln einer Hamada und sind deshalb potentielle Kandidaten für Sulkytouren.

Kartenmaterial und Navigation

Manch einer wird auf der Suche nach richtigem Kartenmaterial für Wüstengegenden verzweifeln. Ein leichtes Unterfangen ist dies nicht, jedoch stehen verschiedene alternative Möglichkeiten zur Verfügung, mit denen es sich auch auskommen lässt.

Ich nehme gerne für die grobe Übersicht eine Landeskarte mit (bspw. 1:600000 reicht völlig). Die kriegt man recht günstig bei größeren Buchhandlungen oder auch bei amazon.com. Sie bringen einem vor allem bei An- und Abreise Vorteile.
Für das Feintuning bringen diese Karten aber nicht wirklich viel. Entweder man hat Glück und findet lokal in größeren Städten einen Händler, der etwa meist ältere Militärkarten/Geologiekarten verkauft, oder man greift auf die alten russischen Generalstabskarten zurück. Ich hab ab und an mal mit dem Gedanken gespielt, welche davon mitzunehmen. Letztendlich fragte ich mich aber: Wohin willst Du navigieren? Da wo Du hinfährst sieht alles meistens gleich aus. Es ist nunmal so, dass der Kompass in Zusammenarbeit mit dem GPS das wichtigste Navigationsmittel ist. Ein weiterer Nachteil der russ. Generalstabskarten ist zudem der Preis!
Ich bleibe also bei der Meinung: Wenn man Trips wie die auf dieser Webseite aufgezählten unternehmen möchte, braucht man im Normalfall keine Karten. Das Gelände wird in den seltendsten Fälle so schwer zu navigieren sein, dass man Karten braucht. Kompass fürs Grobe und ab und an mal der Gegencheck mit dem GPS sollte ausreichend sein. Diese Lage ändert sich aber schnell wenn man z.B. mit dem Auto unterwegs ist.
GoogleEarth ist einer meiner besten Freunde in der Vorbereitungszeit. Man kann sich darüber hervorragend signifikante Koordinaten anzeigen lassen und rausschreiben. Es kann auch helfen, eine selbstangefertigte Skizze mitzunehmen. Selbst wenn man keine Karten für das GPS hat, kann man mit mehreren signifikanten Punkten im Gebiet die eigene Position recht gut feststellen. Diese Technik hat bisher immer hervorragend funktioniert und hat mir eine recht genaue Navigation ermöglicht. Man muss allerdings bedenken, dass das auch nur für flache, monotone Wüstengegenden gut funktioniert.

Kostenberechnung

Wüstentouren sind nicht billig, wenn man sie das erste Mal macht und nicht den Basissatz an Ausrüstung besitzt. Denn eigentlich ist die Ausrüstung das teuerste an der ganzen Tour. Besitzt man jedoch einmal die Basisausrüstung, sind solche Arten von Touren relativ billig.

Abgesehen von der Ausrüstung ist das teuerste meist der Flug. Wer früher bucht, kann aber auch hier sparen. Eine ganz nützliche Suchmaschine ist hierfür swoodoo.com. Vor allem sollte man aber nicht den erst besten Flug buchen, sondern ein wenig vergleichen. In die naheliegenden Wüstengegenden wie Nordafrika und den Nahen/Mittleren Osten muss man mit Flugkosten zwischen 300-400 Euro rechnen, wenn man früh genug bucht.

Ein weiterer Kostenfaktor, den man auf jeden Fall merkt, ist das Satellitentelefon bzw. eine zugehörige SIM-Karte (Prepaid oder Vertrag). Ich hab sowohl Thuraya als auch Iridium ausprobiert und mich letztendlich für Iridium entschieden. Auf Satfon.de kann man sich mal einen Überblick über die Preislage machen und wird merken, dass je nach Länge des Aufenthaltes die Preise schon recht schnell steigen können. Wer also öfters solche Touren plant, sollte überlegen ob sich nicht der Kauf eines eigenen Satfons lohnen könnte. Den Preis hat man schnell nach 1-2 Touren wieder drin, wenn man ein gebrauchtes Telefon kauft.
Ich empfehle nicht, ohne ein Satfon Wüstentouren zu machen! Wer dennoch loszieht, handelt meiner Meinung nach grob fahrlässig! Dies hat nichts mit "Coolness" oder "Härte" zu tun, sondern ist dumm und unverantwortlich. Allerdings ist es allein mit einem Satfon nicht getan - man benötigt auch eine zuständige Person, die einem im Notfall helfen kann. Mehr dazu dann unter "Die Notfall-Ansprechsperson".

Für Zusätze wie neue Räder, Stangen etc. für das Wüstensulky habe ich etwa 150,- Euro investiert. Dazu kommen noch rund 50-70,- Euro für das Sulky selbst. Nicht zu vernachlässigen ist hier aber die benötigte Zeit für den Umbau.

Auf Tour selbst wird man wenig ausgeben - dies liegt zunächst daran, dass es sich in der Wüste sehr schlecht Geld ausgeben lässt. Wer noch etwas vom Land sehen möchte, sollte hierfür je nach Land und Dauer nochmals 200-300,- Euro einplanen. Für das Reisen innerhalb des Landes empfehle ich den LonelyPlanet. Wenn er auch mittlerweile ein wenig zum Mainstream-Magazin mutiert ist, enthält er doch jede Menge wichtige Infos wie billige Unterkünfte usw. Wer hier sparen möchte (die neuen können auch relativ teuer sein) sollte Ebay konsultieren und sich dort einen gebrauchten erstehen.

Auf teure Hotels kann man getrost verzichten. Ein billiges Hostel für 5-10,- Euro / Nacht macht es genauso gut. Dann gewöhnt man sich schonmal an den harten Wüstenboden.

Die Notfall-Ansprechsperson

Wie bereits erwähnt, bringt ein Satfon recht wenig, wenn man niemanden hat den man anrufen kann. Ein großer Fehler ist es hierbei, im Notfall auf die Hilfe der entsprechenden Botschaft zu hoffen. Diese diplomatischen Vertretungen der Bundesrepublik Deutschland sind nicht primär dafür da, Abenteurer in Wüsten aus dem selbst eingebrockten Schlammassel zu holen. Natürlich wird die Botschaft einen kaum hängen lassen, aber die Kosten hierfür werden (hoffentlich!) exorbitant groß sein.

Primär sollte man sich vor Ort bzw. bereits in Deutschland nach einer geeigneten Ansprechsperson umschauen. Viele werden sich jetzt fragen: Wie soll das gehen, wenn ich niemanden kenne? Nun, in den meisten Wüstengegend gibt es irgendwo Anbieter von Trekkingtouren, Jeeptouren usw. Diese Leute verdienen ihr Geld damit, Touristen durch die Wüste zu fahren bzw. diese ein wenig auf einem Kamel durch die Hitze reiten zu lassen. Der Vorteil liegt hierbei aber darin, dass diese Leute die entsprechende Ausrüstung und Kenntniss über das Gebiet haben. Das heisst, in vielen Fällen haben sie sogar ein GPS und einen Jeep, der für eine mögliche Rettung hilfreich sein könnte.

Ich habe auf meinen bisherigen Touren jeweils lokale Tourenanbieter kontaktet, sogar schon aus Deutschland, und mit diesen einen Pauschalpreis für die Dauer meiner Tour verhandelt. Diesen übergibt man Bar an die Leute und spricht mit ihnen das weitere Verfahren wie Route, Dauer etc. ab. Im Falle einer Rettung kommen dann nochmals Kosten auf einen zu, allerdings wahrscheinlich vergleichsweise wenig, als wenn die Botschaft ausrücken muss.

Natürlich ist dies immer eine Sache des Vertrauens, des Glücks und der Menschenkenntnis. Meine Erfahrung mit arabischen Tourenanbietern war aber bisher immer gut. Ich denke, dass das auch mit der Einstellung der Leute vor Ort zusammenhängt. Die Anbieter zeigten jedes Mal Respekt für mein Vorhaben und wir dealten einen fairen Preis aus, den der Anbieter auf jeden Fall behalten kann - egal ob Rettung oder nicht. Zudem hatte ich den Eindruck, dass die Einstellung der Leute vor Ort so war, dass man keinen in Not Geratenen in der Wüste zurücklässt. Ich hoffe, ich werde mich im Falle eines Notfalls nicht irren.

Wichtig ist jedoch, dass man sich sehr gut überlegen sollte, ob man eine Tour ohne so eine Notfall-Ansprechsperson antritt. Abgesehen von den enormen Kosten, die im Falle einer Rettung anstehen könnten, könnte auch eine Rettung durch die entsprechende Botschaft auf Grund der Entfernung zu spät sein.

Nützliche Links

Im Folgenden werden Links zu verschiedenen Themen rund um das Wüstenwandern aufgezählt. Ich hoffe, dass sie dem ein oder anderen bei der Vorbereitung etwas bringen werden. Ich habe auch wissenschaftliche Studien zu psychologischem Verhalten von Personen und Personengruppe hinzugefügt. Ich kann es dem interessierten Leser nur empfehlen - ich selbst bin auch Laie auf dem Gebiet der Psychologie, allerdings versteht man vieles auch ohne Vorkenntnisse.

Wüstentrips allgemein

Syrien

Wüstenläufe

Psychologie in Extremsituationen