Ausrüstung für Wüstentouren

exclamation Vorsicht:
Wüstentouren sind Trips, auf denen die mitgenommene Ausrüstung zu 110% funktionieren muss. Es ist daher angebracht, beim Kauf von neuer Ausrüstung auf hohe Qualität zu achten und sich ausreichend den Rat von Experten einzuholen. Wenn ein essentieller Ausrüstungsgegenstand unterwegs nicht mehr funktionieren sollte, kann das fatale Folgen haben.
Des Weiteren erhebt die hier vorliegende Liste von Ausrüstungsgegenständen keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird laufend erweitert.

Ausrüstung ist im Trekkingbereich ein kontrovers diskutiertes Thema. Es haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Sub-Gruppen gebildet, die alle verschiedene Ziele im Trekkingbereich verfolgen. Eine der größten und bekanntesten Sub-Gruppen ist die Ultra-Leicht-Fraktion. Diese hat das Ziel, die bestehende Ausrüstung auf das Minimalste zu reduzieren. Wie man dies am besten macht, wird auf diversen Webseiten im Netz ausführlich beschrieben.
Persönlich kann ich mich nicht vollständig mit der Philosophie des Ultra-Leicht-Trekkings indentifizieren, übernahm aber im Laufe der Zeit einige nützliche Tips und Hinweise dieser Fraktion, die ich für mich selbst als sinnvoll betrachte.

Denn gerade für Wüstengegenden liegt der Vorteil leichter Ausrüstung auf der Hand: Der Läufer muss weniger Gewicht tragen und verbraucht somit weniger Energie und Ressourcen. Allerdings ist ein Problem im Bereich Wüstengegenden nach wie vor nicht gelöst. Wasser ist schwer und kann auch durch ultra-leicht-Maßnahmen in Hinsicht auf das Gewicht nicht reduziert werden. Somit musste ich mir etwas Neues einfallen lassen, womit wir auch beim ersten, großen Ausrüstungsgegendstand wären - dem Wüstensulky.

  1. Das Wüstensulky - ein Haus im Schlepptau
  2. Wassersäcke
  3. Schuhwerk
  4. Zelt
  5. Schlafsack
  6. Satellitentelefon
  7. Kleidung

Das Wüstensulky - ein Haus im Schlepptau

Die allgemein Problemstellung sollte klar sein. Wüsten sind extrem aride Gegenden, in denen Wasservorkommen so gut wie nicht zu finden sind. Sie können zwar unter gewissen Umständen existieren, sind dann aber meist sehr selten und schwierig zu finden. Dies bedeutet, dass der Wüstenwanderer seinen Vorrat selbst mitnehmen bzw. wenn möglich oder gewünscht, Vorräte anlegen muss. In meinem Fall versuche ich das Wasserproblem durch ein Wüstensulky zu kompensieren. Was für den Winterwanderern die Pulka ist, ist für den Wüstenwanderer das Sulky.

Wie in der obigen Abbildung zu sehen, besitzt meine Version des Sulkys als Basis ein Fahrradanhänger für Kinder. Diesen bekommt man schon für wenig Geld auf ebay. Allerdings ist der Anhänger in seiner Grundform nur bedingt wüstentauglich. Zunächst sollte darauf geachtet werden, sämtliche unnötigen Teile zu entfernen und lediglich das Rohgerüst zu behalten. In meinem Fall habe ich sogar die kompletten Stoffteile, die beispielsweise als Sitzunterlage dienten, entfernt und durch leichte, sehr robuste Autogurte ersetzt. Diese gibt es billig beim Baumarkt des Vertrauens. Zu guter Letzt benötigt man noch entsprechende Stangen, die das Verbindungsteil zwischen Sulky und der ziehenden Person darstellen. Auch diese gibt es billig in fast jedem Baumarkt.

Die Befestigung der Stangen am Sulky wurde über Rohrklammern realisiert, die in der obigen Abbildung zu sehen sind. Diese kann man relativ günstig in der Sanitärabteilung jedes größeren Baumarkts erstehen. Sie haben den Vorteil, dass die Verbindung am Sulky nicht total statisch ist und somit ein Flexibilitätsbereich für die Ausrichtung der Stangen überbleibt.

Wer wie ich den Standardreifen der Fahrradanhänger nicht vertraut, kauft sich im Fahrradladen des Vertrauens kevlar-beschichtete Reifen, die dem rohen Untergrund von Hamadas standhalten sollte. Ich habe hierfür den "Schwalbe Marathon" ausgewählt und bisher beste Erfahrungen gemacht.

Grundsätzlich sind Sulkys, richtig ausgebaut, sehr belastbar. Ich habe sie bereits in Jordanien mit mehr als 60 Kg beladen und konnte auf Grund des perfekten Untergrunds weiterhin gut Strecke damit machen. Allerdings sollte man selbst abschätzen bzw. ausprobieren, was das eigene Gerät aushält und zur Not zusätzlich Gewicht auf den Rücken nehmen, anstatt das Sulky zu überlasten. Denn das Sulky ist und bleibt bei solchen Touren der beste Freund des Wanderers - gefährdet man diesen, kann das leicht böse enden.

Wassersäcke

Bei der Auswahl eines geeigneten Wassersacks sind mir direkt die Wassersäcke der schweizer Armee aufgefallen. Diese werden gerne von der Allrad-Fraktion beispielsweise bei Trans-Sahara Touren genutzt. Sie überzeugen mit einer sehr robusten Verarbeitung und einem praktischen Auslassventil.

Des Weiteren können sie, im gefüllten Zustand, als Abspannhilfe für das Zelt dienen, was sich bereits als sehr praktisch erwiesen hat. Wer schonmal ein Zelt in der Wüste abspannen wollte, weiss wovon ich rede.

Noch ein Vorteil: Bei meinen Sulkyversionen passen genau zwei Wassersäcke auf die Ladefläche. Diese sitzen im gefüllten Zustand perfekt auf und benötigen keiner weiteren Abspannung etwa durch Expander.

Ich habe meine Wassersäcke für knapp 20,- Euro bei der Firma Woick per Telefon bestellt.

Schuhwerk

Die Wahl der Schuhe für Trekkingtouren ist immer ein kontrovers diskutiertes Thema. Ich habe bereits auf zwei Touren das Modell "Desert" der Firma Boreal erfolgreich genutzt und sehr gute Erfahrungen damit gemacht (siehe Abbildung unten).

Diese kosten rund 55,- Euro und sind sicherlich keine schlechte Wahl. Bei meinen längeren Wanderungen in Deutschland habe ich allerdings mit den eigenen Wanderstiefeln (Modell Hanwag Alaska GTX) die besten Erfahrungen gemacht, da ich durch sie von Blasen und sonstigen Blessuren verschont geblieben bin. Letztendlich sollte man die Schuhe mitnehmen, die einem auch bei sonstigen Trekkingtouren gut gedient haben, und den Wüstenaspekt (Hitze, Sand usw.) erstmal vergessen. Denn eine Wüstentour ist eigentlich nicht der richtige Ort, ein neues Schuhmodell auszuprobieren.

Von reinen Sportschuhen rate ich ab. Des Weiteren empfehle ich so etwas wie Flip-Flops oder leichte Sandalen für den Abend mitzunehmen. Gerade wegen der Hitze des Tages werden es die Füße einem danken, wenn sie abends ein wenig Luft schnuppern dürfen. Barfußlaufen im Camp sollte vermieden werden.

Zelt

Ich wurde oftmals gefragt, warum ich eigentlich immer ein Zelt mitnehme. In der Wüste lässt es sich doch anscheinend auch gut ohne schlafen. Ich habe in Ägypten eine Italiener getroffen, der mir erzählte, dass er rund 500 Nächte bereits nur mit Schlafsack in der Wüste geschlafen hat. Nun, mein schlagkräftigstes Argument vorneweg: Ich brauche nach einem harten Wüstentag ausreichend Schlaf und erhole mich schneller, wenn ich weiss dass ich in einem "abgeschotteten Raum" schlafen kann. Dies bedeutet, ich muss mir nachts keine Sorgen um eventuelles Getier machen. Ein weiteres Argument ist die Kälte. Nachts kann es bekanntermaßen unangenehm kalt werden. Ein Zelt bietet gerade gegen die am Abend einsetzende kalte Brise einen Schutz. Für mich ist daher die Mitnahme eines Zeltes in den meisten Fällen nicht diskutabel. Denn ich vermeide so einen unangenehmen Kreislauf: Wer nachts unruhig schläft, kann am nächsten Tag eventuell nicht die erzielte Leistung bringen. Dies führt dann gegebenenfalls dazu, dass die Planung nicht eingehalten werden kann ... usw.

Wie auf der obigen Abbildung zu sehen, ist es möglich ein Zelt in der Wüste mit herkömmlichen Heringen abzuspannen. Was auf dem Bild allerdings nicht zu sehen ist, war die Schwierigkeiten die ich hatte beim Aufbau. Ich empfehle also zunächst ein möglichst leichtes Zelt mitzunehmen, um allgemein Gewicht zu sparen. Das versteht sich aber von selbst. Des Weiteren sollte man eventuell Sandheringe mitnehmen oder das Zelt mit den Wassersäcken oder dem Sulky versuchen abzuspannen. Die Alternative hierzu ist die Mitnahme eines selbststehenden Zeltes, beispielsweise eines Kuppelzeltes, wie auf der folgenden Abbildung zu sehen.

Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass ein Zelt für die Wüste nicht teuer sein muss. Die obige Abbildung beispielsweise zeigt ein Zelt in der Preiseklasse von 100 - 150 Euro. Durch die UV-Bestrahlung sollte man sich sowieso überlegen, ob das teure Modell wirklich für einen Trip in die Wüste geeignet ist.

Schlafsack

Bei der Wahl des Schlafsacks kann man in Bezug auf Wüstentouren recht schnell einen großen Fehler machen: Man unterschätzt die Kälte der Nacht! Persönlich habe ich bereits das optimale Modell für mich gefunden - The North Face Beeline. Das Packmaß ist ideal, das Gewicht mit ca. 400 Gramm super leicht und in einer Nacht in der jordanischen Wüste hat er mich auch ohne Zelt bei knapp -4 Grad immernoch warm gehalten (mit Seideninlett), wobei das zugegebenermaßen schon sehr grenzwertig war. Die folgende Abbildung zeigt, dass die Kälte in der Wüste nicht zu unterschätzen ist.

Zitat von Bruno Baumann auf welt.de:

Ich hatte mich gedanklich vorbereitet, auf der 500 Kilometer langen Strecke zu scheitern und zu verdursten. Aber es kam anders. Ich wäre fast erfroren

Ich muss also ehrlich sagen, dass ich teilweise schon in Betracht gezogen hatte, meinen Winterschlafsack mitzunehmen, obwohl das paradox klingen mag. Der Europäer ist es in der Regel nicht gewohnt, dass zwischen Tag und Nacht rund 30-40 Grad Temperaturunterschied liegen. Da fröstelt man bereits bei 15 Grad in den frühen Abendstunden, sobald die Sonne untergeht. Oftmals wird der Fehler gemacht, sich am Nullpunkt zu orientieren: "Nachts bis 0 Grad? Ok, das macht mein Schlafsack locker". Das ist meiner Meinung nach falsch. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man eher so tun, als wäre der 0 Punkt bei 15 Grad. Für die Wahl des richtigen Schlafsacks ist die Community im Forum der Outdoorseiten.net-Vereins sicherlich sehr hilfreich.

Das Satellitentelefon

Kaum jemand besitzt ein Satellitentelefon mit einem entsprechenden Vertrag privat. Daher ist die Anmietung eines solchen Gerätes inkl. Vertrag in den meisten Fällen die einzigste Alternative. Wie im Bereich Kostenberechnung bereits beschrieben, sind die Kosten dafür meist enorm. Je nach Zeitraum beginnen die Preise für ein komplettes Iridium Satfon inkl. Vertrag ab rund 300,- Euro. Allerdings sollte man selbst recherchieren und die Preise vergleichen. Ich kann sowohl Iridium als auch Thuraya für das normale Telefonieren (kein Roh-Datentransfer) empfehlen, wobei Iridium in Hinsicht auf die Abdeckung überzeugte.

Eine der kostengünstigeren Möglichkeiten ist es es, über den Outdoorseiten e.V. sich relativ billig nur das Gerät auszuleihen und selbst nach einer gültigen SIM-Karte Ausschau zu halten. Die Anleitungen für das Satfon des ODS können hier heruntergeladen werden:

  1. KI-G100 IRIDIUM Ready GSM Handset
  2. Kyocera Iridium Adapter SD-66K

Die Kleidung

Kleidung ist mitunter einer der wichtigsten Faktoren für eine erfolgreiche Tour. Ich werde im Folgenden nun die einzelnen Teile aufzählen und erklären, mit welchen Marken bzw. Produkten ich gute Erfahrung gemacht habe. Dies ist wie immer eine sehr subjektive Angelegenheit und ich lasse mich gerne auf die guten Erfahrungen anderer ein.

Socken

Ich habe nur zwei verschiedene Marken von Socken auf meinen Wüsten- und sonstigen Trekkingtouren ausprobiert: Die Wandersocken der Firma Falke und selbstgestrickte (nicht von mir :D) Baumwollsocken. Das Modell der Falkesocken war das "TK2" Modell, ich weiss allerdings nicht mehr ob es das so noch gibt oder ob bereits ein Nachfolger existiert. Aber diese Socken sind auf jeden Fall das Geld wert und lassen sich ohne Probleme auch mal 10 Tage am Stück tragen ohne wirklich runzelig zu werden. Die selbstgestrickten haben den enormen Vorteil, dass man sie perfekt an den Fuss anpassen kann. Zudem haben sie die angenehme Eigenschaft, selbst nach ein paar Tagen nicht wirklich zu unangenehm zu riechen.

Hosen

Meine derzeitige Lieblingshose ist ein Modell der Hausmarke "Four-Seasons" der Firma Globetrotter. Die Hose war billig, besitzt abzippbare Hosenenden und ist bisher unkaputtbar. Es gibt Leute, die empfehlen möglichst helle Kleidung. Ich habe beides ausprobiert, sowohl helle als auch dunkle, und sehe keinen wirklich Vorteilsgewinn durch helle Kleidung. Aber da mögen sich die Geister scheiden. Wichtig ist vor allem, dass sie UV-Strahlen möglichst nicht durchlässt. Ich empfehle daher keine kurzen Hosen, sondern lange Hosen mit vielen Taschen und eventuell abzippbaren Hosenenden. Ich muss aber sagen, dass ich dieses Feature selbst noch nie genutzt habe.

Shirts und Oberteile

Ich nehme gerne atmungsaktive langarmige bzw. kurzarmige Shirts mit, die man auch zum Sport trägt. Auch hier kann ich die Shirts der Firma Falke durchaus empfehlen. Ich muss aber auch zugeben, dass ich mit anderen Marken bisher keine wirkliche Erfahrung gemacht habe. Da ich in der Wüste meist sehr viel in Bewegung bin und zudem noch einen Rucksack trage, fängt man schnell an zu schwitzen. Baumwolle ist daher eher nicht geeignet. Wer nicht aufs Gewicht achten muss, was eigentlich nur bei Touren mit Fahrzeugen vorkommt, kann sich Baumwoll-Shirts für den Abend mitnehmen. Ich habe gehört, dass das recht angenehm sein soll. Ich trage zusätzlich über dem Shirt entweder ein Fleece (Mammut) oder eine Weste (Four-Seasons) oder beides, je nach Wetterlage. Westen haben den Vorteil, dass sie jede Menge Fächer für allen möglichen Krams bieten, den man so im Laufe eines Wüstentages braucht. Dies erspart das andauernde Absetzen des Rucksacks bzw. Abspannens des Sulkies.

Kopfbedeckung

Hut und Baseball-Mütze halte ich beides für relativ sinnfrei. Sie erfüllen vielleicht Ihren Zweck für einen Tagestrip, sind jedoch bei längeren Touren nicht zu gebrauchen, da sie entweder zu unbequem werden oder nicht ausreichen Schutz vor Sonne und Sand bieten. Nach meinem ersten kleineren Sandsturm in Syrien bin ich mehr als je zuvor von den Tüchern der Einheimischen begeistert. Man sollte als Tourist sowieso eher schauen, wie die Einheimischen ihre Problemchen zwecks Kleidung lösen und dann aber zweimal darüber nachdenken, ob es für einen selbst praktikabel ist. Mit einem typisch arabischen Gewand durch die Wüste zu rennen halte ich für eher weniger sinnvoll.

Abschließend ist noch zu sagen, dass ich für die kalten Nächte immer eine lange Thermounterhose mitnehme, da es eventuell doch recht frisch werden kann, wie das obere Bild meines Rucksacks beweist. Auch leichte Handschuhe und Wollmütze sind sicherlich nicht falsch investiert.